Chefsache #36 - Führungs-Wording ist Bullshit
Shownotes
In dieser Folge räumen wir mit typischen Kommunikations-Mythen aus Trainings und Coachings auf – und schauen, was davon im Führungsalltag wirklich trägt.
🧠 Hintergrund 1: Das „Hummel-Paradoxon“
Das sogenannte Hummel-Paradoxon wird oft als Beweis dafür genutzt, dass Theorie und Praxis auseinanderliegen.
👉 Die verbreitete Aussage: Eine Hummel dürfte laut Aerodynamik nicht fliegen – tut es aber trotzdem.
👉 Der Hintergrund: Diese Annahme basiert auf vereinfachten und falschen Berechnungen aus der Frühzeit der Aerodynamik. Moderne Forschung zeigt, dass Hummeln sehr wohl erklärbar fliegen – nur eben mit komplexeren Strömungsmechaniken.
👉 Relevanz für Führung: Auch in Trainings halten sich vereinfachte oder falsche Modelle, weil sie leicht verständlich sind – nicht, weil sie richtig sind.
🧠 Hintergrund 2: Die 7%-38%-55%-Regel
Die bekannte Kommunikationsregel geht zurück auf Studien von Albert Mehrabian aus den 1960er Jahren.
👉 Was wirklich untersucht wurde:
Wirkung von Worten vs. Tonfall vs. Mimik in Situationen mit widersprüchlichen Signalen insbesondere bei der Vermittlung von Gefühlen und Einstellungen
👉 Was oft falsch daraus gemacht wird:
„Inhalt ist egal“ „Nur Körpersprache zählt“
👉 Was tatsächlich gilt: Diese Aufteilung ist nicht auf normale Kommunikation übertragbar, insbesondere nicht auf:
Zielvereinbarungen Feedback Leistungsbeurteilungen klare Ansagen in der Führung
👉 Originalquellen (Auswahl):
Mehrabian, A. (1967): Inference of Attitudes from Nonverbal Communication in Two Channels Mehrabian, A. (1971): Silent Messages
👉 Einordnung von Mehrabian selbst: Er hat später mehrfach klargestellt, dass seine Ergebnisse häufig falsch interpretiert und übergeneralisiert werden.
🧠 Hintergrund 3: Warum einfache Regeln so gut funktionieren
Aus der Kognitionspsychologie wissen wir:
👉 Menschen nutzen sogenannte Heuristiken (mentale Abkürzungen), um komplexe Situationen zu vereinfachen.
Typische Effekte:
Wunsch nach schnellen Lösungen Reduktion von Unsicherheit Präferenz für einfache Regeln („Sag nicht aber“)
👉 Problem: Diese Vereinfachungen erzeugen oft Scheinsicherheit statt echter Kompetenz.
🧠 Hintergrund 4: Kognitive Dissonanz und Wirkung von Sprache
Das Konzept der Kognitive Dissonanz beschreibt, was passiert, wenn Aussagen nicht stimmig sind.
👉 Beispiel: „Das war gut… und da müssen wir nochmal ran.“
👉 Wirkung beim Gegenüber:
Widerspruch wird wahrgenommen Unsicherheit entsteht Vertrauen kann sinken
👉 Relevanz für Führung: Menschen reagieren stärker auf Klarheit und Konsistenz als auf „schöne Formulierungen“.
💡 Kernaussage der Folge Sprache ist wichtig – aber nicht als Technik Wirkung entsteht durch Klarheit, nicht durch Wortregeln Vereinfachte Kommunikationsmodelle bieten Orientierung, ersetzen aber keine Führung 🔗 Weiterführende Gedanken für deinen Alltag
👉 Prüffrage: „Versteht mein Gegenüber sofort, was Sache ist?“
Wenn nicht:
ist es zu weich zu kompliziert oder bewusst abgeschwächt
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